Sakrifix / Der Da Vinci Kot Prolog Atemlos hetzte Professor Jacques Saumagén durch den nächtlichen Louvre. Sein Keuchen hallte von den Wänden wider, und das Blut pochte in seinen Ohren, trotzdem konnte er die schnellen Schritte seines Verfolgers hören. Das Kratzen und Klappern kam immer näher. Endlich fand er, was er suchte. Vor einem besonders empfindlichen Fresco war ein Bereich mit Samtschüren an Messingständern abgetrennt, um die Touristen daran zu hindern, dem Kunstwerk allzu nahe zu kommen. Schnell griff der Professor die beweglichen Metallpfosten und plazierte sie mitten auf dem Gang. Die dicken, samtenen Seile versperrten nun den Weg. Gerade noch rechtzeitig. Schon tauchte die dunkle Gestalt vor ihm auf. Langsam wich Saumagén zurück und deutete auf das Schild, das mittig an der Absperrung hing. “Ächz!”, sagte er und rang nach Luft, vor Angst und Erschöpfung unfähig, ein klares Wort von sich zu geben. Aber sein Verfolger verstand auch so. “Merde!”, fluchte der Mann leise und blickte auf das Schild. “Kein Zutritt” stand dort, in drei Sprachen. Er sah den Professor an und hob die Pistole. “Keine Bewegung! Sie haben mich vielleicht aufgehalten, aber vor meinen Kugeln wird sie diese Absperrung nicht schützen - die können nicht lesen. Also los, sagen Sie mir: Wo ist es?” “Ich… hapüüüüü…. habe keine Ahnung…. keuch… wovon Sie reden.” Der Kurator war immer noch außer Atem. “Sie lügen!” Das leise Klicken eines Hahnes, der gespannt wurde, erfüllte den dunklen Gang. Nun genügte nur ein leiser Druck auf den Abzug um den Schuß zu lösen. “Wollen Sie wirklich für dieses Geheimnis sterben?” “Halt! Also gut, ich sage es Ihnen.” Er hatte gehofft, die Lüge, die er nun erzählte, niemals benutzen zu müssen. Der Mann in der Kutte hörte aufmerksam zu, dann lachte er. “Es stimmt, Sie sagen die Wahrheit. Die anderen haben genau das selbe gesagt.” “Woooooos?” In ungläubigem Entsetzen weiteten sich die Augen des Professors. Wenn dieser seltsame Mönch die anderen Wächter ebenfalls gefunden hatte…. Seine Gedanken wurden durch einen Schuß unterbrochen, und ein sengender Schmerz durchfuhr seinen Körper. Saumagén fiel zu Boden. Blut tropfte auf den teuren Parkettboden. Er krümmte sich zusammen und hielt sich den getroffenen Fuß. “Aua”, jammerte er. Der Mönch fluchte innerlich. Warum hatte man ihnen in der Klosterschule nicht das Schießen beigebracht? Sein Feind war keine drei Meter von ihm entfernt, und er traf nur den Fuß. Er legte erneut an und drückte ab. Es klickte. Enttäuscht fiel ihm ein, daß er in gnadenlosem Gottvertrauen ja nur eine Kugel gekauft hatte. Dann schlich sich ein hämisches Grinsen auf sein Gesicht. “Viel Spaß beim Sterben!”, rief er und drehte sich klappernd um und tapste davon. Saumagén wurde die Grausamkeit seiner Situation bewußt. Ihm stand ein langsamer Tod bevor, ein sehr, sehr langsamer. Er betrachtete den Klecks Blut, der sich auf dem Boden ausbreitete. Mit einer Wunde wie dieser konnte er 3 oder 4 Tage überleben, maximal eine Woche. Er hatte keine Zeit zu verlieren. Kapitel 1
Verschlafen folgte Robert Longjohn dem Polizisten in den Louvre. Es war dunkel, schon lange keine Besucher mehr in den Hallen, und das einzige Licht kam von der Notbeleuchtung und den Taschenlampen der Beamten. “Da vorne ist er. Das ist Inspektor Fusch. Hinter seinem Rücken nennen wir ihn respektvoll 'den Ochsen'. Manchmal sogar 'den Hornochsen'.” Der Inspektor kam auf ihn zu und umarmte ihn herzlich. “Sie sind also Longjohn. Der internationale Spezialist für Verkehrszeichen und andere Symbole.” “Ja, in der Tat. Wußten Sie zum Beispiel, daß das Zeichen Vorfahrt gewähren ein auf dem Kopf stehendes Dreieck und damit ein Symbol für das göttlich Weibliche ist?” “Non!” Der Inspektor sah ihn überrascht an. “Sie machen Ihrem Ruf alle Ehre! Aber sehen Sie sich das einmal an.” Er zog Longjohn am Ärmel zu einer auf dem Boden liegenden Gestalt. “Ich war noch nicht fertig mit meinen Ausführungen!” Doch sein Protest blieb ohne Wirkung. Verärgert sah er auf den Leichnam zu seinen Füßen. “Wer ist das?” “Das ist Jacques Saumagén, Kurator des Louvre. Das Reinigungspersonal fand ihn heute abend, als sie eine längere Blutspur aufwischten. An ihrem Ende fanden sie ihn.” “Meine Göttin!” “Allerdings. Der arme Teufel muß 6 oder 7 Tage durch den Louvre geirrt sein, bevor er verblutete.” “Wußten Sie, daß das Wort für die Zahl 6 erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Wort Sex hat?” “Nein!” “Doch! Und die Zahl 7 kommt oft in Märchen vor, die geheime Botschaften enthalten, zum Beispiel Schneewittchen und die 7 Zwerge. Ein Zeichen für das göttlich Weibliche!” “Was wollen Sie damit sagen?” “Es deutet alles auf eine Verschwörung hin! Eine Verschwörung der Kirche, die das göttlich Weibliche….” “Könnten Sie damit bitte mal aufhören? Warten Sie erstmal, bis Sie den Rest der Geschichte hören.” “Entschuldigung. Aber wer sonst hätte ihm das angetan?” Er deutete auf die Leiche. “Das war er selbst.” “Was? Oh du meine Göttin!” Entsetzt blickte er auf das grauenvolle Szenario zu seinen Füßen. Kapitel 2
Der tote Professor Saumagén lag friedlich auf dem Rücken, vollständig angezogen, die Augen geschlossen, die Hände vor dem Bauch gefaltet. “Hat er irgendwelche Botschaften hinterlassen?” “Darauf können Sie Gift nehmen!” Der Inspektor reichte ihm einen Zettel. Mit einem Kugelschreiber war folgendes darauf geschrieben: 5UCK MY D1CK “Er hatte eine Woche Zeit und das ist alles? Drei Wörter auf einen Zettel geschmiert?” “Sieht so aus. Haben Sie eine Ahnung, was das bedeuten könnte?” Der Inspektor sah ihn scharf an. “Keine Ahnung”, murmelte Longjohn, dann hörte er das Stakkato von hohen Absätzen näherkommen. “Ah, Mademoiselle Nebél. Unsere Expertin von der Dechiffrierabteilung.” “Sophie. Sophie Nebél”, stellte sie sich vor. “Wo ist der Tote?” “Sie stehen drauf.” “Oh. Oops. Es ist dunkel”, entschuldigte sie sich. Sie stieg hinunter. Inspektor Fusch wandte sich wieder an Longjohn. “Also Sie haben keine Ahnung, was es mit diesem Code auf sich haben kann?” “Nein. Eine Mischung aus Zahlen und Buchstaben. Das ergibt keinen Sinn. Obwohl…” Er wurde ganz aufgeregt. “Wenn man die ersten und die letzten vier Zeichen wegläßt, bleibt MY stehen!” “Na und?” “Das M steht für Maria Magdalena, also ein Symbol für das göttlich Weibliche! Und das Y ist sowieso ein Zeichen, das an den weiblichen Schoß erinnert, also ebenfalls ein Symbol für…” “Ich kann’s mir denken.” “Wir sind hier einer großen Sache auf der Spur, Inspektor.” “Ach, Mr. Longjohn.” Sophie reichte ihm ein Handy. “Sie sollen zuhause anrufen. Es ist dringend. Ich habe Ihnen die Nummer aufgeschrieben, falls Sie sie vergessen haben.” “Oh, vielen Dank, sehr aufmerksam.” Er wählte die Nummer und war nicht überrascht, als ein Anrufbeantworter ranging, er war ja schließlich nicht daheim. Aber die Stimme war nicht seine eigene. Es war die Stimme von Sophie Nebél, und was sie sagte, versetzte ihn in höchste Alarmbereitschaft. Kapitel 3
“Longjohn, Sie sind in Gefahr. Gehen Sie so schnell wie möglich aufs Klo!” Es klickte, und die Leitung war tot. Mit bleichem Gesicht legte Longjohn auf. “Schlechte Neuigkeiten?” Fusch betrachtete ihn aufmerksam. “Ja. Ich muß mal.” “Die Toiletten sind dort hinten. Ich bringe Sie hin.” Sophie nahm ihn an der Hand und verschwand mit ihm in der Dunkelheit. Der Inspektor blickte ihnen mißtrauisch hinterher. “Schnell, hinein!” Mit einem kräftigen Stoß beförderte Sophie Longjohn in die Waschräume für Männer. “Ah, ich verstehe.” Er griff ihr an die Brust und sie ohrfeigte ihn. “Longjohn!” “Was denn? Paris, die Stadt der Liebe, Sie kommen mit mir auf die Toilette, es ist Nacht, ich bin ein sehr gutaussehender, überaus intelligenter…” “Darum geht es nicht! Sie sind wirklich in Gefahr!” “Warum?” “Fusch sagt Ihnen nicht die ganze Wahrheit! Er verdächtigt Sie des Mordes an Saumagén, der übrigens mein Großvater ist.” “Ach ja? Aber warum ich?” “Er sagte, es sei eindeutig die Tat eines Wahnsinnigen. Also hat er eine Liste aller in der Stadt befindlichen Amerikaner angefordert. Und Sie sind zur Zeit der einzige!” “Oh mein Gott! Und nun?” “Keine Sorge, ich habe ihm vorhin eine Pizza bestellt, die sollte jeden Moment da sein. Das verschafft uns etwas Zeit.” Sie nahm ein Polizeifunkgerät aus ihrer Handtasche und horchte hinein. Tatsächlich funkte der Polizist vor dem Gebäude Fusch an, der daraufhin wutentbrannt zum Eingang stürmte. Schnell verließen Sophie und Longjohn das Klo und liefen zurück zur Leiche. “Sophie, sagt Ihnen dieser Code etwas?” Er reichte ihr den Zettel, und ein warmes Lächeln umspielte ihre sanften Züge. “Hach ja. Mein Großvater hat mir als Kind oft solche Rätselaufgaben gestellt. Dieses war eines seiner Lieblingsrätsel für mich.” “Sie können es lösen?” “Ja. Der Trick ist folgender: Sie müssen die Zahlen durch Buchstaben ersetzen.” “Brilliant! Geben Sie her!” Er nahm einen Stift und kritzelte unter den Code: FIVEUCK MY DONECK Seine Begeisterung ließ schlagartig nach. “Verdammt. Das ergibt immer noch keinen Sinn. Es ist immer noch verschlüsselt!” Er sah auf. “Sophie, was… was machen Sie da?” Nebél hatte der Leiche die Hose geöffnet und bis zu den Knien heruntergezogen. “Das ist ein Spiel, das mein Großvater oft mit mir gespielt hat, ich hab’s Ihnen doch erzählt!” Sie sah auf den entblößten Unterleib und sprang auf. “Mein Gott, Longjohn! Sie werden nicht glauben, was ich gerade entdeckt habe!” Kapitel 4
“Sehr eindrucksvoll”, gab Robert zu und machte einen Schritt zurück. Das bemerkenswerte Gemächt der Leiche verschaffte ihm sofort einen Komplex. “Nicht nur das! Sehen Sie nur! Es weist in eine bestimmte Richtung!” “Nach links!” Nun teilte Longjohn ihre Begeisterung. “Links ist von jeher die Seite des Weiblichen, und nur durch jahrtausendelange Verschwörungen wurde diese Seite als negativ verdammt. Die wenigsten Menschen wissen, daß der Begriff link….” Aber Sophie war bereits in die entsprechende Richtung davongelaufen. Seufzend lief er ihr hinterher. Als er sie endlich eingeholt hatte, blieb ihm vor Überraschung der Mund offen stehen. Damit hatte er nicht gerechnet! Kapitel 5 Sie standen vor der Mona Lisa. Sophie drehte sich zu ihm um und flüsterte ehrfurchtsvoll: “Was soll das?” “Es ist ein Hinweis Ihres Großvaters! Ein Hinweis auf Leonardo da Vinci!” “Nein, ich meinte, warum begrabschen Sie meinen Hintern?” “Oh. Entschuldigung. Ich war nur so aufgeregt.” Sie betrachteten das weltberühmteste aller weltberühmten Gemälde. “Wußten Sie, das Leonardo da Vinci ganz, ganz viele geheime Zeichen in seinen Bildern versteckt hat? Zum Beispiel dort, auf ihrem Kopf: Haare.” “Und?” “Lange Haare sind von jeher ein Zeichen für Weiblichkeit.” “Ich glaube, Sie haben einen ziemlichen Knall.” Sie nahm eine winzige Spezialtaschenlampe heraus und schaltete sie ein. Für eine Sekunde waren sie beide still. Was sich im Licht der Lampe zeigte, war unvorstellbar. Kapitel 6 Ein Durcheinander aus leuchtenden Klecksen bedeckte das Schutzglas, das die Mona Lisa vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen sollte. Im normalen Licht waren diese unregelmäßigen Punkte nicht zu sehen gewesen. “Was hat das zu bedeuten?” “Lassen Sie mich überlegen. Verdammt, ich komm nicht drauf!” “Und dabei sind wir so nah dran!” Er schlug ihr hart auf die Schulter, so daß sie in die Knie gehen mußte. “Sophie, das ist es! Sie sind genial!” “Was denn?” Sie weinte ein wenig vor Schmerz und hielt sich die getroffene Schulter. “Wir sind ZU nah dran! Kommen Sie, wir gehen ein Stück zurück!” Aus zwei Metern Entfernung war es plötzlich klar wie Spargelcreme. “Wir müssen die Punkte verbinden, dann ergeben sie Buchstaben!” Er nahm wieder den Zettel und den Stift zur Hand und begann, darauf herumzumalen. “Hören Sie, Longjohn, ich weiß nicht, ob Sie auf Beweismittel herumkritzeln sollten…” “Psst, ich hab’s gleich. So.” Er starrte auf das, was er geschrieben hatte. “Oh meine Göttin!”, flüsterte er. “Darum geht es also!” Neugierig blickte Sophie auf das Stück Papier und traute ihren Augen kaum, was sie da las. Kapitel 7 Kurz darauf waren sie auf dem Weg zum anerkanntesten Fachmann für eine ganz bestimmte, seit langem verschwundene Reliquie. “Und Sie sind sicher, daß er uns um diese Zeit noch empfängt?” “Klar. Wenn es um sein Spezialgebiet geht, macht Ruprecht Teabaggy jederzeit eine Ausnahme.” Er steuert den Panzerwagen die Auffahrt zum Schloß hinauf. Sie stiegen aus und betrachteten das zerbeulte Fahrzeug. “Wenn wir jemandem erzählen, wie wir aus dem Louvre geflohen und dann hierhergekommen sind - das glaubt uns keiner!” “Wir sollten kein Risiko eingehen und darüber schweigen.” “Seh ich auch so.” Einige Minuten später saßen sie Sir Ruprecht Teabaggy gegenüber. Der Mann war alt und hatte eine mordsmäßige Zahnspange, die von einem außen an seinem Kopf angebrachten Drahtgestell an ihrem Platz gehalten wurde. Sophie reichte ihm ein Foto, auf dem die Kleckse zu sehen waren. “In der Tat, in der Tat”, murmelte Teabaggy und lächelte ein allwissendes Lächeln. “Und dieses raffinierte Malen-nach-Zalen-Spielchen hat Saumagén mit einem Spezialstift auf das Plexiglas gemalt?” “Nein, diese Flecken sind, ähm, wie soll ich sagen, sehr eiweißhaltig..:” “Sie meinen, er hat auf die Mona Lisa…?” “Ja.” Betretenes Schweigen erfüllte den Raum, das nur vom Prasseln des Kaminfeuers gebrochen wurde. “Immerhin hatte er eine Woche Zeit, also mehr als genug, um…” “Verstehe schon.” Teabaggy winkte ab. “Bitte keine weiteren Details. Wenn ich mich übergeben muß, rostet mein Drahtgestell.” Er sah auf die Worte, die Longjohn auf das Papier gekritzelt hatte. “Ach Robert, immer noch dieselbe krakelige Kinderhandschrift”, seufzte er mit einem Anflug von Nostalgie. Er blickte auf und sah seine beiden Besucher an. “Aber Ihr seid zum richtigen Mann gekommen. Ist es nicht faszinierend, daß jedermann diese Worte kennt, und doch nur so wenige ihre wahre Bedeutung wissen? Die Verschwörung der Kirche hat gute Arbeit geleistet.” Dann sprach er sie aus, und sie erfüllten den Raum mit ihrem Klang, daß Robert und Sophie der Atem wegblieb. Kapitel 8 “Holy Shit!” Stille senkte sich wieder herab. “Die Heilige Scheiße. Das, wonach Schatzjäger in allen Jahrhunderten gesucht haben! Das, was Leonardo in seinen Werken so oft angedeutet hat! Angeblich existiert ein Orden, die Prieuré de Latrine, die das Geheimnis kennen und wahren.” “Er existiert wirklich! Und wir glauben, Jacques Saumagén war ihr Großmeister!” “Potzblitz!” Teabaggy erbleichte. “Habt Ihr noch etwas gefunden? Robert, du weißt schon! Oder Sie, meine liebe, überaus attraktive, vollbusige Besucherin?” “Wir wollten es dir eigentlich noch nicht sagen, aber: ja. Wir haben etwas gefunden. Als wir die Worte entziffert haben, sind wir noch einmal zur Leiche zurückgekehrt, und Sophie hat in der entsprechenden Körperöffnung nachgesehen.” “Und? Und?” Die Spannung ließ Sir Teabaggy in seinem Sessel auf und nieder springen. “Wir haben ihn gefunden. Den Schlüssel. Den Schlüssel zum Geheimnis!” “Her damit!”, kreischte Sir Ruprecht vor Freude. Longjohn griff in seine Sakkotasche und brachte einen kleinen, zylindrischen Gegenstand zum Vorschein. Mit einem triumphierenden Lächeln hielt er ihn kurz in der Hand und reichte ihn dann seinem alten Freund und Mentor. “Oh, endlich! Endlich! Ein Traum wird wahr!” Teabaggy blies sich eine Freudenträne aus dem Gesicht. “Ihr hättet es aber ruhig ein wenig säubern können”, murmelte er und wischte sich die Hände an seinem Morgenmantel ab. “Man muß ein spezielles Wort einstellen, dann geht es auf.” “Ich weiß, ich weiß. Ihr kennt das Wort nicht?” “Nö.” “Dann folgt mir in mein Arbeitszimmer. Ich bin sicher, in den Werken Leonardo da Vincis werden wir die Antwort finden!” “Da Vinci haben wir schon probiert, das ist es nicht.” “Mist, dann weiß ich auch nicht weiter.” “Wir dürfen nicht aufgeben! Wir sind so nah dran!” “Wo dran denn?” Sophie Nebél war verärgert und fühlte sich hilflos. “Kann mir jemand erzählen, was hier eigentlich los ist? Worum geht es?” Teabaggy und Longjohn wechselten einen langen Blick. “Du hast sie nicht eingeweiht, Robert?” “Nein. Ich wollte es mit dir zusammen tun.” “Also gut.” Sir Ruprecht wandte sich an die junge Codeexpertin. “Meine Liebe, ich werde Ihnen jetzt ein Geheimnis verraten, das seit Jahrtausenden vertuscht wird. In wenigen Sekunden werden Sie verstehen, wieviel auf dem Spiel steht.” Er machte eine dramatische Pause. “Dieses Wissen kann die Welt für immer verändern. Es geht um…” Kapitel 9 “… Leonardo Da Vinci. Er soll ebenfalls ein Großmeister des Ordens gewesen sein.” Teabaggy trat an das Gemälde, vor dem sie standen. “Dies ist eines seiner berühmtesten Werke, Das Letzte Abendmahl.” Longjohn unterbrach ihn aufgeregt. “Und sehen Sie hier, Sophie, da! Diese beiden Figuren bilden ein V! Von jeher ein Zeichen für das göttlich Weibliche!” “Das kann doch ein Zufall sein.” “Zufall? Ha!” Robert lachte leise und überheblich. “Ist Ihnen noch nie aufgefallen, daß alle Wörter, die mit V beginnen, etwas mit dem göttlich Weiblichen zu tun haben?” “Was? Alle? Das kann nicht sein!” “Das kann sein! Und es ist so! Nennen Sie mir ein Wort mit V!” “Verkehr.” “Geschlechtsverkehr! Die Verschmelzung mit dem göttlich Weiblichen!” “Vogel.” “Vögeln! Genau dasselbe! Haben Sie sich noch nie gefragt, warum man ausgerechnet den Vogel als Ursprung für diese Bezeichnung genommen hat? Es geht um das V!” “Vater?” “Ein Vater ist man, wenn man Kinder gezeugt hat. Durch Sex! Mit dem göttlich Weiblichen!” “Vatikan!”, rief sie triumphierend. “Ha!”, rief Longjohn noch triumphierender. “Stellen Sie mal die Buchstaben in Vatikan geringfügig um, und Sie erhalten Vakinat. Das T am Ende wird stumm gesprochen, und das K sehr weich, was erhalten Sie dann?” “Vagina!”, rief Sophie verblüfft. “Genau! Wenn man erst darauf achtet, kann man es überall sehen! Es ist…” Teabaggy unterbrach ihn. “Robert. Ist gut jetzt.” “Aber….” “Aus! Was dein Problem ist, haben wir schon verstanden!” Leise murmelnd trat Longjohn in den Hintergrund. Sir Ruprecht wandte sich an die junge Polizistin. “Schließen Sie nun bitte die Augen.” Sie tat es. “Und nun sagen Sie mir, wie viele Personen auf dem Bild tragen Hosen?” Sie überlegte. “Ich, ähm, weiß nicht… alle außer Maria Magdalena, die neben Jesus sitzt?” “Öffnen Sie die Augen!”, rief Teabaggy amüsiert, und Sophie stellte erstaunt fest, daß sie keine einzige Hose auf dem Bild sehen konnte. “Was hat das zu bedeuten?”, fragte sie ein wenig ängstlich. “Sie glauben, so wie jeder, daß auf dem Bild Maria Magdalena zu sehen ist. Aber wie kommen Sie darauf? Weil die Person lange Haare hat? Die haben mehrere. Weil sie keinen Bart hat? Auch damit ist sie nicht allein. Nein, meine Liebe, auf dem Bild sehen Sie nur Frauen bzw. nur Männer.” “Sie meinen….” Sophie versagte die Stimme, als ihr die ganze Wahrheit dämmerte. Kapitel 10 “Richtig. Jesus und seine Jünger waren Transvestiten.” Er ließ die Aussage erstmal ein wenig wirken, bevor er weitersprach. “Sie zogen sich wallende Gewänder an und ließen sich die Haare lang wachsen, und sie predigten Friede, Freude, Eierkuchen. Und sie waren alle schwul. Nachzulesen im unterschlagenen Evangelium des heiligen Sankt Detlev.” “Aber er hatte doch was mit Maria Magdalena! Und sie war sogar schwanger von ihm!” “Lügen! Nichts als Lügen! Die Kirche hat Maria Magdalena erfunden, weil die Wahrheit zu schockierend gewesen wäre.” Longjohn mischte sich ein. “Die Allgemeinheit ist der Auffassung, Jesus hätte ein Verhältnis mit einer Frau gehabt und sogar ein Kind gezeugt, und als er von der Schwangerschaft erfuhr, hat er sich lieber kreuzigen lassen als sich mit quengelnden Kindern herumzuschlagen.” “So steht es in der Bibel.” “Aber das ist eben nicht wahr! Die Bibel ist so zuverlässig wie ein französisches Auto! Jesus war so schwul wie Leonardo Da Vinci!” “Aber dafür gibt es keine Beweise!” “Falsch!” Teabaggy lächelte leise. “Es gibt eine Möglichkeit. Man kann aus einer Stoffwechselprobe des Messias zweifelsfrei seine sexuelle Orientierung ablesen, indem man das entsprechende Gen untersucht.” “Aber woher nehmen? Das alles ist zweitausend Jahre her.” “Da kommen die Prieuré de Latrine ins Spiel. Dieser Orden wurde gegründet, um die letzten Exkremente des Königs der Juden zu bewahren. Aber sie wurden und werden vom Vatikan verfolgt, der die Wahrheit vertuschen will.” “Aber wieso wissen so wenig Leute von der Heiligen Scheiße?” Robert und Sir Ruprecht brachen in Gelächter aus. “Liebe Sophie, jeder weiß davon, nur kennt man es unter einem anderen Namen.” Longjohn lächelte sie an. In wenigen Sekunden würde er es aussprechen, und Sophie würde es wie Schuppen von den Augen fallen. Kapitel 11 Sophie hörte die Worte und ihr wurde schwindelig. Longjohn hatte recht, jetzt ergab alles einen Sinn! “Der Heilige Stuhl!” Sie mußte sich setzen. “Natürlich! Wie konnte ich so blind sein!” “Die Kirche täuscht die Gläubigen seit Jahrhunderten und hält sie zum Narren. Alle Menschen glauben, der Heilige Stuhl sei nur eine Bezeichnung für das Amt des Papstes, dabei ist es in Wirklichkeit eines der bestgehüteten Geheimnisse der Christenheit. Direkt vor unserer Nase!” Sir Ruprecht setzte sich wieder. “Und wir sind jetzt so nah an der Wahrheit wie noch nie.” Der Forscher sah auf das rätselhafte Ding in seinem Schoß und fragte sich, was für Geheimnisse sich in seinem Innern verbargen. Es gab nur einen Weg, das herauszufinden. Und dann hatte er es. “Ich weiß es! Es ist so einfach!”, lachte er und stand auf. Atemlose Spannung erfüllte den Raum, als er den Mund öffnete, um des Rätsels Lösung zu verkünden. Kapitel 12 “Jacques Saumagén hat Euch zu Leonardo Da Vinci gewiesen. Leonardo war Italiener. Also nehmen wir das Wort Italien. Dann lassen wir alle Vokale weg, weil sich die Menschen früher keine Vokale leisten konnten. Also bleibt TLN. Jetzt drehen wir das ganze um, lesen es also von hinten nach vorne und bekommen? Na?” “NLT!”, rief Robert. “Natürlich! Es ist sonnenklar!” “Bitte?” Verwirrung erfaßte Sophie und drückte ihr mit klammer Hand die Kehle zu. “Wir müssen nur die Vokale wieder einfügen: Zuerst ein A, dann ein weiteres A zwischen N und L. Hinter dem L kommt ein O, das T wird gedoppelt, daher muß dann auch ein zweites O ans Ende.” Auch Longjohn war nun aufgesprungen und klammerte sich an Teabaggys Arm. “Sie… Ihr… was? Analotto?” “Ja, ja! Genau! Es ist beinahe schon zu leicht!” “Was ist ein Analotto?” “Anal-Otto war der für die Reinigung der Latrinen zuständige Mann kurz vor der Kreuzigung! Der Begründer der Prieuré de Latrine!” “Brilliant!”, jubelte Robert, und gemeinsam drehten sie die Buchstaben auf der Röhre in die richtige Reihenfolge. Mit einem Klicken sprang der Zylinder auf und ein Stück Papier segelte heraus. Gierig entrollten sie das Blatt. In einer Sekunde würden sie eines der größten Geheimnisse der Menschheit kennen. Kapitel 13 Mutlos sanken sie zurück in ihre Sitzgelegenheiten. Sophie hielt das Stück Papier in Händen, in das sie eben noch so große Hoffnungen gesetzt hatten. Immer wieder blickte sie auf die Zeilen. Fliegt nach London. In der Westminster Abbey, ganz hinten rechts, findet Ihr, was Ihr sucht. Viel Glück, Jacques “Verdammt, ein neues Rätsel”, fluchte Longjohn. “Ich hatte befürchtet, daß es nicht so einfach wird”, klagte Sir Teabaggy und zog geräuschvoll die Nase hoch. “Was mag das bedeuten?” Sophie zuckte mit den Schultern und teilte die allgemeine Niedergeschlagenheit. Plötzlich hörten sie ein Schaben und Knarren von der Tür, die Sekunden später aufflog. Ein Mönch stand dort und hielt eine Pistole in der Hand. “Guten Abend!”, rief er höhnisch, und sofort wußten alle drei, daß dieser Eindringling es sarkastisch gemeint hatte. Er wünschte ihnen gar nicht wirklich von Herzen einen guten Abend, ganz im Gegenteil! Sie waren in Lebensgefahr! In tödlicher Lebensgefahr! Kapitel 14 Langsam kam der Mönch näher. Ein Klappern und Klacken begleitete jeden seiner Schritte. Entsetzt sahen die drei auf die Füße des Geistlichen, die in Langlaufskiern steckten, auf denen er unbeholfen über das Parkett stakste. “Ein Alpino!” Longjohn erbleichte. Er hatte davon gehört, aber noch nie einen gesehen. Der Anblick war gespenstisch. Der Feuerschein warf ein dämonisches Flackern auf die Skier. “Wenn ich um das Papier bitten dürfte.” Teabaggy erhob sich schnell und hob die Hände. “Bitte, nicht schießen! Hier haben Sie es!” Er reichte ihm den Zettel. Der Mönch warf einen Blick darauf. “Ist das ein Code?” “Ja.” “Was bedeutet er?” “Wir sind ratlos.” Longjohn und Sophie nickten zustimmend. “Mein Leerer ist sehr schlau, er wird es herausfinden.” Der Alpino-Mönch steckte den Zettel in seinen Stiefel. Er überlegte, ob er die drei erschießen sollte, aber bei seinen Schießkünsten würde er mehr als die drei Kugeln brauchen, die er gekauft hatte. Ski-As, so lautete sein Name, würde seinen Vorgesetzten, Bischof Vaginarosa, schnellstmöglich um eine Taschengelderhöhung bitten müssen. Aber fürs Erste hatte er sein Ziel ja auch so erreicht. Er drehte sich um und verschwand mit einem teuflischen Lachen in der Dunkelheit. Kapitel 15 “Aus, alles aus! Oder hat sich einer von Euch das Rätsel gemerkt?” Sophie Nebél sah verzweifelt in die Runde. “Das brauchen wir nicht”, sagte Teabaggy und hielt ein Stück Papier hoch. “Ich habe dem Mönch meine Einkaufsliste gegeben!” “Gut gemacht!”, lobte Longjohn. “Wer war das eigentlich?” “Sophie, haben Sie schon einmal etwas von diesem erzkatholischen Orden gehört, Lokus Dei? Ich könnte wetten, dieser Alpino gehört zu ihnen. Lokus Dei hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Geheimnis des Heiligen Stuhls zu bewahren. Dafür gehen sie auch über Leichen. Wir müssen das Rätsel Ihres Großvaters lösen, bevor er merkt, daß wir ihn böse verarscht haben.” Sie beugten sich alle drei über den Zettel und studierten die vier geheimnisvollen Zeilen. Fliegt nach London. In der Westminster Abbey, ganz hinten rechts, findet Ihr, was Ihr sucht. Viel Glück, Jacques “Das erste Wort, Fliegt; könnte das auf ein Flugzeug hindeuten?” “Nein, ich glaube, es ist eher spirituell zu lesen. Eine geistige Reise, eine Weiterentwicklung der Seele.” “Und hier, London und Westminster Abbey. Könnten das Ortsangaben sein?” “Das wäre zu einfach. Aber London ist eine bekannte Kondommarke…” “Das göttlich Weibliche! Das göttlich Weibliche!”, unterbrach Robert aufgeregt, und Teabaggy gab ihm einen ordentlichen Klaps auf den Hinterkopf, der hohl im Raum nachhallte. “Es geht also um eine Weiterentwicklung, und um Sex. In der gängigen Kirchenlehre darf man erst Sex haben, wenn man verheiratet ist!” “Dazu paßt auch das Viel Glück! Das wünscht man bei einer Hochzeit!” Nun wurde auch Sophie von einer fiebrigen Aufregung erfaßt. “Und wo heiratet man? In einer Kirche!” Der Triumph in Sir Ruprechts Stimme war nicht zu überhören. “Natürlich! Es gibt keinen besseren Ort für den Heiligen Stuhl! Aber wo? Welche Kirche?” “Hier, seht doch: rechts. Das könnte ein Hinweis sein! Und: sucht. Was fällt Euch zu Sucht ein?” “Heroin, Kokain, Alkohol…” “Weiter, weiter!” “Nikotin, Crack, Koffein…” “Kaffee! Aber da eine Sucht etwas Negatives ist, müssen wir einen Ort finden, an dem man keinen oder nur wenig Kaffee trinkt.” “England! Da trinkt man Tee!” “Brilliant! Natürlich! Das rechts steht für den Rechtsverkehr, und Jacques ist das französische Wort für das englische Jack - den Union Jack!” “Die englische Staatsflagge!” Sophie schlug sich vor die Stirn. “Natürlich! Es paßt alles zusammen!” “Meine Liebe”, sagte Teabaggy ehrfürchtig, “Ihr Großvater war ein Genie. Wir suchen also eine Kirche in England.” Einen Moment lang grübelten sie alle drei still vor sich hin, dann umspielte ein leises Lächeln Roberts Züge. Nun zahlte es sich aus, daß er damals die Hochzeit von Lady Di mit tränenverschleiertem Blick im Fernsehen verfolgt hatte. “Ich hab’s!”, verkündete er und stand auf. Alle Augen waren auf ihn gerichtet, als er noch einmal tief Luft holte, um seine unglaubliche Erkenntnis mitzuteilen. Kapitel 16 “Westminster Abbey! Unglaublich! Es paßt alles zusammen, wie ein kompliziertes Puzzle!” Sie liefen den Gang der alten Kirche entlang, bis sie ganz hinten rechts angekommen waren. Erstaunt starrten sie auf das Schild, dann nickten sie sich in stummer Bewunderung für den verstorbenen Großmeister der Prieuré de Latrine zu. Sie standen vor den Toiletten. Suchend sahen sie sich um, dann schlüpften sie unbeobachtet hinein. Im Wasserkasten der ersten Toilette wurden sie fündig. Langsam und vorsichtig holte Robert das in eine Plastiktüte eingeschweißte Objekt heraus. “Mach es auf! Mach es auf!” Teabaggy hüpfte aufgeregt auf der Stelle. “Hoffentlich kein neues Rätsel”, murmelte Sophie. Longjohn öffnete die Tüte und holte das in ein Leinentuch eingewickelte Ding heraus. Vorsichtig entfernte er Lage um Lage, bis sie nach 2000 Jahren die ersten Menschen waren, die einen Blick darauf warfen. Keiner von ihnen wußte, daß sie in Sekunden eine äußerst unangenehme, bedrohliche Überraschung erleben sollten. Kapitel 17 Ski-As stand vor der Tür der Toilette und hörte den Jubel. Sie hatten es gefunden! Der Alpino stieß die Tür auf und stürmte hinein. Sofort verstummten die drei und sahen ihn ungläubig an. “Wie haben Sie uns gefunden?” Teabaggy traute seinen Augen nicht. “Was meinen Sie? Der Hinweis war als Einkaufszettel getarnt. Ich sagte doch, mein Leerer ist sehr klug. Auf dem Zettel standen unter anderem Stab-Erbsen und Beaujolais.” Er grinste sie überheblich an. “Staberbse mit Wein. Ein Anagramm für Westminster Abbei. Man mußte nur die Buchstaben umstellen. Von da aus war es nur noch ein kleiner Schritt um herauszufinden, daß es eine Kirche mit ähnlicher Schreibweise gibt. Ich habe sie bereits erwartet. Und nun: Geben Sie mir den Heiligen Stuhl!” Er hob bedrohlich seine Waffe. Robert reagierte blitzschnell. “Nein!”, rief er eiskalt. Er spielte ein gefährliches Spiel. Er hoffte nur, daß sein Plan aufging. Sonst waren sie alle verloren! Kapitel 18 Teabaggy stand wie versteinert. “Robert, nein!” Longjohn hielt den Heiligen Stuhl über die Toilette, mit der anderen Hand hatte er nach der Kette für die Spülung gegriffen. “Waffe auf den Boden, oder ich lasse ihn fallen und spüle!” “Longjohn, was tun Sie?” Angst ließ Sophies Stimme zittern. “Ganz ruhig, ich weiß, was ich tue. Also los, Mönch, runter mit der Waffe!” “Das wagen Sie nicht!” “Das werden wir ja sehen!” Robert senkte die Hand mit der Reliquie immer weiter. Bedrohlich schwebte sie über dem Porzellan. "Robert, mach keinen Blödsinn, ich beschwöre dich! Tu es nicht!" Longjohn bedachte Teabaggy mit einem mißtrauischen Blick und sah zwischen ihm und dem Mönch hin und her. Ski-As begann, verwirrt zu schwitzen. Was würde Bischof Vaginarosa sagen, wenn der Heilige Stuhl verlorenging? Würde man ihn aus Lokus Dei ausschließen? Das würde er nicht überleben. Fieberhaft dachte er nach, doch dann traf ihn die Erkenntnis wie ein Blitz, und er entspannte sich. “Ich werde nicht weichen!”, rief er. Longjohn wurde wütend. “Dann sehen Sie gut her, und berichten Sie das Ihren Auftraggebern!” Erzürnt öffnete er seine Hand, und in dem Moment, als die Heiligen Exkremente das Wasser in der Schüssel berührten, zog er an der Kette. Ein wilder Strudel entstand und zog die jahrtausendealte Reliquie in die Tiefe. “Neeeeiiiin!”, schrie Sir Ruprecht und fiel schluchzend auf die Knie. Dann kroch er zur Toilette, um zusammen mit Ski-As, Sophie und Robert einen letzten Blick auf den Heiligen Stuhl zu werfen, doch der war schon längst in den Tiefen der Kanalisation verschwunden. Zufrieden steckte Ski-As die Waffe weg und wendete seine Skier. Dann verschwand er durch die Tür und keiner von den dreien hat ihn je wiedergesehen. Epilog “Du Arsch! Das ist doch genau, was sie wollten! Jetzt können wir die Wahrheit niemals beweisen! Warum hast du das getan?” “Weil du gesagt hast, ich solle es nicht tun! Ich habe dich nämlich durchschaut! Wer ist wohl der geheimnisvolle Bösewicht, der hinter dem Mönch und dem ganzen Kram überhaupt steckt? Der, von dem man es am wenigsten erwartet! Also du!" Teabaggy starrte ihn entgeistert an und verstand. "Du Idiot! Das hier ist kein schlechter Roman, in dem sich der beste Freund im letzten Kapitel plötzlich als Verräter entpuppt! Ich war auf deiner Seite, das war doch wohl klar! Wieso hätte ich dich sonst daran hindern wollen, den Da-Vinci-Kot zu vernichten?" Robert überlegte. Und überlegte. Und überlegte. “Moment. Also wir wollten doch beweisen, daß Jesus… was?” “Ja! Wir wollten beweisen, und sie wollten vertuschen! Wir wollten nur vertuschen, daß wir beweisen wollten, was sie zu vertuschen suchten! Vergiß es. Ich glaube, die ganzen Rätsel haben dein Hirn zu sehr verwirrt. Eines Tages wirst du erkennen, was du angerichtet hast.” Sir Ruprecht Teabaggy und Sophie Nebél ließen einen grübelnden Robert Longjohn zurück, dem langsam die Wahrheit dämmerte. Er fiel auf die Knie. Und als er beschämt den Kopf senkte, meinte er aus der Tiefe der Zeit und der englischen Kanalisation ein leises Gurgeln zu hören, das zu ihm sprach. ENDE
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