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Wen schert's? Im Spiegel sitz ich, schau mich an, Frag mich, ob’s nicht so bleiben kann Zuhaus war mir ein Haarschnitt wichtig Doch hier scheint die Länge richtig... Die Sensenfrau, sie lenkt mich ab Erinnert mich, welch Pech ich hab Ich wünscht’ mir eine schöne Maid – Was ich bekomm, ist hoch wie breit. Und die Dicke, unverzagt „Wie hätten Sie’s denn gerne?“ fragt. „Alles kürzer!“, ruf ich mutig, „Doch schneid mir nicht die Ohren blutig! Die Haare oben länger laß, Dann kann ich tun, als wär da was!“ Auf diese Weise instruiert Hat sie gleich an mir rumfrisiert. Plötzlich greift sie zur Maschine Ein Schatten fällt auf meine Miene Will sie mich etwa damit scheren? Soll ich schrei’n, oder mich wehren? Doch da ist es schon zu spät Die erste Schneise schon gemäht. Reiche Ernte wird gehalten Die Haare weichen den Gewalten Taumelnd sie zu Boden sinken Gerne möcht’ ich ihnen winken So lebt denn wohl! Treue Gefährten, Die tapfer sich auf mir bewährten. Gefällt an diesem schwarzen Tag Zur ew’gen Ruh im Abfallsack. Die Bestie fährt einfach fort Mit ihrem tausendfachen Mord Und der Horror nimmt kein Ende Ihr fällt die Schere in die Hände! Die Haaren bleiben länger zwar Doch sind die Ohren in Gefahr. Ein Wirbel gibt sich renitent Und sie tut, als ob er brennt Denn so machte man das früher: Beherzter Griff zum Wassersprüher. Feuchter Nebel hüllt mich ein Senkt sich auf die Haare fein Sie als Frau weiß ganz genau: Leichter zähmt man’s feucht wie Tau! Die letzten Haare, trauernd bedacht, Werden einen Kopf kürzer gemacht. Stoppel-Moppel wirkt zufrieden. Ich werd in Zukunft wohl gemieden. Mir bleibt ein kahler Totenacker Doch bis zum End’ schlag ich mich wacker „Sehr schön“, sag ich unter Tränen Und die Schlimmste der Hyänen Fragt mich: „Etwas Gel, der Herr?“ Ich denk „Wozu? Da ist nix mehr!“ Also lehn ich dankend ab Erhebe mich aus diesem Grab Geh zur Kasse; sonderbar, Ich gebe ihr ein Trinkgeld gar! Denn diese arme Kreatur Kann nicht siegen – kämpfen nur. Wachsen werden meine Haare Bis ich in altem Glanz erstrahle! Dieses Gedicht ist autobiographisch, ich verarbeitete damit ein traumatisches Erlebnis der jüngsten Vergangenheit ... Beileidsbekundungen und vor allem Schecks werden gerne entgegengenommen, die Therapie bezahlt sich nicht von selbst (ganz zu schweigen von einem Toupet)! Um eine bessere, absolut porentiefe Reimigung zu erzielen, sollte man die letzten beiden Zeilen übligens in chinesischem Dialekt aussplechen.
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